gesellschaft

Wohnungen anstatt Parkplätze

27s nachgedacht Mehr Wohnungen, weniger Parkplätze? Neue Pläne am Michaelibad werfen Fragen auf Am U-Bahnhof Michaelibad im Münchner Osten soll ein neues Wohnquartier entstehen. Die Stadtwerke München haben ihre Planung dafür deutlich verändert: Statt der bislang vorgesehenen rund 130 Wohnungen sind inzwischen 180 bis 200 Wohnungen für bis zu 480 Menschen geplant. Büroflächen sollen entfallen. Gleichzeitig steht die Zukunft der Parkplätze auf dem Gelände im Mittelpunkt der Diskussion. Wie viele Stellplätze tatsächlich verschwinden und welche Alternativen entstehen, ist für die Bewertung des Vorhabens entscheidend. München. Neue Wohnungen schaffen und gleichzeitig die Bedürfnisse eines bestehenden Stadtviertels berücksichtigen: Wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist, zeigt sich an den Plänen für das Gelände am U-Bahnhof Michaelibad. Auf einer Fläche von rund 1,2 Hektar an der Ecke Heinrich-Wieland-Straße und St.-Michael-Straße wollen die Stadtwerke München ein neues Quartier errichten. Das Areal umfasst den ehemaligen Busbahnhof und die angrenzende Park-and-Ride-Anlage. Damit geht es um eine Fläche, die künftig eine andere Aufgabe übernehmen soll: Wo bislang unter anderem Fahrzeuge abgestellt werden, könnten in Zukunft mehrere Hundert Menschen wohnen. Die überarbeitete Planung setzt stärker auf Wohnraum. Das ist eine wesentliche Veränderung gegenüber dem bisher genannten Konzept. Zugleich rückt damit eine Frage noch stärker in den Vordergrund: Wie lässt sich zusätzlicher Wohnraum schaffen, ohne die Erreichbarkeit des Standorts und die Alltagssituation in den umliegenden Straßen aus dem Blick zu verlieren? Bis zu 70 Wohnungen mehr als bisher vorgesehen Bislang war von ungefähr 130 Wohnungen die Rede. Nach dem jetzt bekannt gewordenen Planungsstand sollen es 180 bis 200 werden. Das wären rund 50 bis 70 Wohnungen zusätzlich. Der Unterschied ist erheblich. Mit der neuen Größenordnung verändern sich auch die Anforderungen an das Quartier. Bis zu 480 Menschen sollen hier künftig ein Zuhause finden. Sie benötigen sichere Zugänge, Aufenthaltsflächen, Fahrradabstellmöglichkeiten und eine funktionierende Anbindung an ihre täglichen Ziele. Die ursprünglich vorgesehenen Büros sollen dagegen entfallen. Die Stadtwerke richten das Vorhaben damit stärker auf das Wohnen aus. Diese Änderung lässt allerdings noch keine einfache Aussage darüber zu, wie sich der Verkehr entwickeln wird. Wohnungen und Büros erzeugen unterschiedliche Wege und unterschiedliche Spitzenzeiten. Während bei Büros insbesondere Arbeitsbeginn und Feierabend eine Rolle spielen können, verteilen sich die Wege von Bewohnern, Besuchern, Lieferdiensten und anderen Nutzern anders über den Tag. Ob die neue Planung insgesamt mehr oder weniger Autoverkehr auslösen würde, lässt sich deshalb aus der höheren Wohnungszahl allein nicht seriös ableiten. Dafür braucht es eine nachvollziehbare Untersuchung des überarbeiteten Konzepts. Werkswohnungen sollen Beschäftigten zugutekommen Vorrangig sind Wohnungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtwerke vorgesehen. Damit verbindet sich der Wohnungsbau auch mit der Frage, wie Beschäftigte in München ein passendes Zuhause finden können. Werkswohnungen können dabei eine wichtige Unterstützung sein. Für ein Unternehmen können sie außerdem dazu beitragen, Personal zu gewinnen und langfristig zu halten. Wie groß dieser Nutzen am Michaelibad konkret ausfallen wird, hängt jedoch von der Ausgestaltung ab. Entscheidend sind unter anderem die späteren Mieten, die Wohnungsgrößen und die Vergabebedingungen. Auch der tatsächliche Anteil der Werkswohnungen ist für die Einordnung wichtig. Die Bezeichnung allein beantwortet diese Fragen noch nicht. Für eine umfassende Bewertung des Vorhabens sollten deshalb neben den Gebäudeplänen auch die vorgesehenen Wohnangebote verständlich dargestellt werden. Die Parkplatzfrage braucht konkrete Zahlen Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der mögliche Verlust von Stellplätzen. Dabei muss zwischen verschiedenen Angeboten unterschieden werden: Park-and-Ride-Plätze erfüllen eine andere Aufgabe als private Stellplätze für Bewohner oder öffentlich nutzbare Besucherparkplätze. Eine Tiefgarage unter einem Neubau würde daher nicht automatisch bedeuten, dass die bisherige Parkfunktion erhalten bleibt. Entscheidend wäre, wer diese Stellplätze nutzen dürfte, zu welchen Zeiten sie zugänglich wären und welche Kosten dafür anfielen. Ebenso wenig lässt sich aus der Bebauung der bisherigen Parkplatzfläche allein ableiten, dass sämtliche Stellplätze ersatzlos verschwinden. Für eine sachliche Diskussion braucht es deshalb eine vollständige Gegenüberstellung: Wie viele Plätze bestehen heute? Wie viele sollen während der Bauzeit wegfallen? Welche Zahl ist nach Fertigstellung vorgesehen? Und welcher Anteil davon steht weiterhin Pendlern oder anderen bisherigen Nutzern zur Verfügung? Eine abschließend gesicherte Zahl der entfallenden Stellplätze lässt sich aus den bislang vorliegenden Angaben nicht ableiten. Die Befürchtung, es könnten mehr Parkmöglichkeiten verschwinden als bisher angenommen, muss deshalb von einer bereits feststehenden Entscheidung unterschieden werden. Gerade diese Unklarheit macht eine verständliche Information über den aktuellen Planungsstand notwendig. Park-and-Ride ist Teil der Verkehrsanbindung Eine Park-and-Ride-Anlage ist für ihre Nutzer ein Übergang zwischen Auto und öffentlichem Verkehr. Sie stellen ihr Fahrzeug ab und setzen die Fahrt mit Bus oder Bahn fort. Ob ein solcher Standort gut funktioniert, hängt nicht nur von der Zahl seiner Stellplätze ab. Auch die Zufahrt, die Entfernung zum Bahnsteig, die Verfügbarkeit freier Plätze und die Verlässlichkeit der gesamten Verbindung spielen eine Rolle. Sollte dieses Angebot am Michaelibad deutlich reduziert werden, müsste deshalb geprüft werden, welche Folgen das für die bisherigen Nutzer hätte. Denkbar wären unterschiedliche Reaktionen: Manche könnten bereits von zu Hause aus öffentliche Verkehrsmittel nutzen, andere einen anderen Umsteigepunkt wählen. Wieder andere könnten versuchen, in benachbarten Straßen zu parken. Welche Entwicklung tatsächlich zu erwarten wäre, muss untersucht werden. Pauschale Annahmen helfen hier wenig. Ein Mobilitätskonzept muss erklären, wie die betroffenen Menschen ihre Wege künftig bewältigen können. Gute Lage an der U-Bahn bietet Chancen Die unmittelbare Nähe zu einem U-Bahnhof ist zugleich ein wichtiges Argument für Wohnungsbau an diesem Standort. Wer kurze Wege zum öffentlichen Verkehr hat, kann viele Alltagsfahrten möglicherweise ohne eigenes Auto erledigen. Das eröffnet die Chance, Wohnraum mit einer guten Verkehrsanbindung zu verbinden. Daraus folgt aber nicht, dass alle künftigen Bewohner auf ein Fahrzeug verzichten können. Arbeitsorte, Schichtzeiten, familiäre Verpflichtungen und gesundheitliche Voraussetzungen unterscheiden sich. Auch Besucher, ambulante Dienste oder Handwerksbetriebe müssen das Quartier erreichen können. Ein überzeugendes Konzept sollte diese unterschiedlichen Bedürfnisse berücksichtigen. Sichere Fußwege, geeignete Fahrradabstellplätze und eine gute Verbindung zum Bahnhof gehören ebenso dazu wie Lösungen für notwendige Fahrten mit dem Auto. Die Qualität der Planung zeigt sich daran, ob diese Angebote im Alltag zusammenpassen. Mögliche Folgen für die Nachbarschaft frühzeitig prüfen Für die umliegenden Wohnstraßen ist entscheidend, ob sich die Parkplatzsuche durch das Vorhaben verändern könnte. Wenn bisherige Nutzer auf benachbarte Straßen ausweichen, wäre dort zusätzlicher Suchverkehr möglich. Eine solche Entwicklung ist jedoch keine zwangsläufige Folge des Wohnungsbaus. Sie hängt davon ab, wie viele Stellplätze tatsächlich entfallen, wie stark diese bislang genutzt werden und welche Alternativen zur Verfügung stehen. Gerade deshalb sollten belastbare Erhebungen die Grundlage bilden. Eine Betrachtung zu unterschiedlichen Tageszeiten wäre dabei aussagekräftiger als eine einzelne Momentaufnahme. Auch die künftigen Bewohner müssen in diese Untersuchung einbezogen werden. Es wäre wenig hilfreich, nur den heutigen Zustand zu betrachten und den Bedarf des neuen Quartiers auszublenden. Die zentrale Aufgabe lautet somit: den Bestand, die Veränderungen durch das Bauvorhaben und die vorgesehenen Ersatzangebote gemeinsam zu bewerten. Barrierefreiheit gehört von Anfang an dazu Besondere Aufmerksamkeit verdienen Menschen, die auf kurze Wege oder ein Fahrzeug angewiesen sind. Für Rollstuhlnutzer, Menschen mit Gehbehinderung und andere Personen mit eingeschränkter Mobilität kann die Entfernung zwischen Stellplatz und Ziel entscheidend sein. Ein allgemeiner Hinweis auf die nahe U-Bahn reicht für diese Gruppe als Antwort nicht aus. Es kommt auf die gesamte Strecke an: auf geeignete Stellplätze, sichere Übergänge, ausreichend breite Wege und gut erreichbare Eingänge. Auch die Möglichkeit, jemanden zum Gebäude zu bringen oder dort abzuholen, sollte berücksichtigt werden. Gleiches gilt für Pflege- und Unterstützungsdienste. Diese Anforderungen sollten bereits in die Planung einfließen. Werden sie erst kurz vor Fertigstellung behandelt, sind praktikable Lösungen häufig schwieriger umzusetzen. Dabei ist zwischen den Stellplätzen auf dem überplanten Areal und anderen Parkangeboten im Umfeld zu unterscheiden. Aussagen über den Wegfall bestimmter Behindertenparkplätze wären ohne einen entsprechenden Lageplan nicht belastbar. Rund 50 Meter hoher Turm bleibt vorgesehen Neben der Verkehrsfrage bleibt die Höhe der Bebauung ein wesentlicher Diskussionspunkt. Der rund 50 Meter hohe Turm ist weiterhin Bestandteil der aktuellen Planung. Ein Gebäude dieser Höhe würde das Erscheinungsbild des Standorts deutlich verändern. Für seine Bewertung sind unter anderem der Abstand zu benachbarten Gebäuden, die Wirkung im Straßenraum und die Verschattung relevant. Eine höhere Bebauung kann dazu beitragen, mehr Wohnungen auf begrenzter Fläche unterzubringen. Gleichzeitig müssen die Freiräume zwischen den Gebäuden ausreichend Qualität bieten. Deshalb sollte die Diskussion über den Turm über seine Höhe hinausgehen. Wichtig ist das Zusammenspiel des gesamten Quartiers: Wie wirken die Baukörper zusammen? Welche Aufenthaltsbereiche entstehen? Wie werden Zugänge gestaltet? Und welche Auswirkungen ergeben sich für die Nachbarschaft? Anschauliche Pläne und nachvollziehbare Untersuchungen könnten dazu beitragen, diese Fragen sachlich zu beurteilen. Auch die Bauzeit braucht ein funktionierendes Konzept Neben dem späteren Zustand verdient die Bauphase Aufmerksamkeit. Sollte die bisherige Parkplatzfläche für die Bauarbeiten benötigt werden, könnten Einschränkungen bereits deutlich vor dem Einzug der ersten Bewohner entstehen. Deshalb braucht es auch für diese Zeit klare Informationen. Dazu gehören die voraussichtlichen Sperrungen, mögliche Ausweichangebote sowie sichere Wege für Fußgänger und Radfahrer. Baustellenzufahrten, Lieferverkehr und die Erreichbarkeit der umliegenden Gebäude sollten ebenfalls frühzeitig berücksichtigt werden. Ein belastbarer Zeitplan ist dabei wichtig. Aus dem derzeit beschriebenen Konzept lässt sich noch nicht ableiten, wann einzelne Stellplätze entfallen oder wann mögliche neue Angebote zur Verfügung stehen würden. Bayern Regional News: Wohnungsbau und Mobilität gemeinsam planen Aus Sicht von Bayern Regional News verdient das Ziel, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, eine ernsthafte und sachliche Auseinandersetzung. Ebenso berechtigt sind Fragen nach den Folgen für Pendler, Nachbarn und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Diskussion sollte deshalb auf überprüfbaren Angaben beruhen. Die höhere Zahl der geplanten Wohnungen ist eine konkrete Veränderung. Wie viele Parkplätze tatsächlich verschwinden und welche Auswirkungen daraus entstehen, muss dagegen präzise dargestellt werden. Stadt und Stadtwerke sollten verständlich offenlegen, wie sich die überarbeitete Planung vom bisherigen Konzept unterscheidet. Dazu gehört eine klare Stellplatzbilanz ebenso wie ein nachvollziehbares Verkehrs- und Erreichbarkeitskonzept. Neue Wohnungen sind ein wichtiger Beitrag für die Stadt. Damit ein neues Quartier auch im Alltag funktioniert, müssen jedoch die Menschen mitgedacht werden, die dort künftig wohnen, heute bereits leben oder den Standort regelmäßig nutzen. Bayern Regional News fragt nach: Wie erleben Sie die Situation am Michaelibad? Nutzen Sie die Park-and-Ride-Anlage am Michaelibad? Wohnen Sie in der Umgebung oder sind Sie dort regelmäßig unterwegs? Wie beurteilen Sie die geplanten zusätzlichen Wohnungen und die möglichen Veränderungen bei den Parkplätzen? Besonders interessieren uns die Erfahrungen von Pendlern, Anwohnern, Familien sowie Menschen, die mit Rollstuhl, Rollator oder anderen Mobilitätshilfen unterwegs sind. Welche Parkmöglichkeiten werden aus Ihrer Sicht gebraucht? Welche Alternativen wären praktikabel? Und welche Fragen sollten Stadt und Stadtwerke beantworten, bevor die Planung weiter voranschreitet?

Datum: 20.10.2026 Quelle: Bayregnews