Wird der gesamte Fasching in München verboten
8s nachgedacht
Steigende Sicherheitskosten: Münchner Fasching steht vor ungewisser Zukunft
Vereine warnen vor möglichen Absagen – zusätzliches Budget von rund 70.000 Euro offenbar nicht bewilligt
München. Der Münchner Fasching gehört seit Jahrzehnten fest zum kulturellen Leben der Landeshauptstadt. Faschingsumzug, Straßenfasching und der traditionelle Tanz der Marktweiber locken jedes Jahr Tausende Menschen in die Innenstadt. Doch ausgerechnet diese beliebten und für die Besucher kostenlosen Veranstaltungen könnten künftig nicht mehr im bisherigen Umfang stattfinden.
Der Grund dafür sind die kontinuierlich steigenden Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen. Während die Anforderungen an Absperrungen, Zugangskontrollen und Sicherheitspersonal zunehmen, soll das dafür vorgesehene städtische Budget offenbar unverändert bleiben. Vertreter der Münchner Faschingsvereine schlagen deshalb Alarm: Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung könnten einzelne Veranstaltungen verkleinert oder vollständig abgesagt werden.
230.000 Euro für mehrere Großveranstaltungen
Nach den bisherigen Angaben stellt die Landeshauptstadt München insgesamt rund 230.000 Euro für die Sicherheitskosten des öffentlichen Faschings zur Verfügung. Aus diesem Budget müssen unter anderem der Faschingsumzug, das mehrtägige Treiben in der Innenstadt sowie die Veranstaltungen auf dem Viktualienmarkt finanziert werden.
Zu den beteiligten Organisationen gehören „München Narrisch“, die „Narrhalla“ und die „Damischen Ritter“. Auch die Markthallen München sind als Veranstalter des traditionellen Tanzes der Marktweiber betroffen.
Aus dem gemeinsamen Budget müssen die Organisatoren zahlreiche Ausgaben bestreiten. Dazu zählen insbesondere Sicherheitskräfte, Ordnerdienste, Absperrungen sowie weitere organisatorische Maßnahmen, die bei großen Veranstaltungen vorgeschrieben sind.
Zwar stellt die Stadt nach Angaben der Verantwortlichen teilweise Absperrgitter zur Verfügung, doch die Kosten für das notwendige Personal müssen in erheblichem Umfang von den Veranstaltern getragen werden. Genau hier sehen die Vereine inzwischen ihre finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft.
Sicherheitsanforderungen werden immer umfangreicher
Öffentliche Großveranstaltungen müssen heute deutlich höhere Sicherheitsstandards erfüllen als noch vor einigen Jahren. Nach Anschlägen und anderen schweren Vorfällen werden Sicherheitskonzepte regelmäßig überprüft und angepasst. Fahrzeuge müssen zuverlässig von Veranstaltungsflächen ferngehalten, Flucht- und Rettungswege freigehalten und Besucherströme kontrolliert werden.
Die Münchner Faschingsvereine stellen die Notwendigkeit dieser Schutzmaßnahmen nicht infrage. Sie weisen jedoch darauf hin, dass zusätzliche Anforderungen auch zusätzliche Kosten verursachen. Bleibt die finanzielle Unterstützung gleichzeitig unverändert, entsteht eine Lücke, die ehrenamtlich arbeitende Vereine kaum aus eigener Kraft schließen können.
Narrhalla-Präsident Matthias Stolz macht deutlich, dass die bisherigen Grenzen erreicht seien. Sollten die notwendigen Mittel fehlen, werde man darüber sprechen müssen, welche Veranstaltungen noch durchgeführt werden können. Damit steht nicht zwingend der gesamte Münchner Fasching unmittelbar vor dem Aus – sehr wohl drohen aber Einschränkungen und Absagen einzelner Programmpunkte.
Antrag auf zusätzliches Geld offenbar abgelehnt
Für die Haushaltsplanung des kommenden Jahres hatten die beteiligten Vereine und die Markthallen München eine Erhöhung des Sicherheitsbudgets beantragt. Nach den vorliegenden Informationen wurde diese zusätzliche Finanzierung im Eckdatenbeschluss jedoch nicht berücksichtigt.
Im Raum steht ein Mehrbedarf von ungefähr 70.000 Euro. Mit diesem Geld sollen die gestiegenen Sicherheitskosten für den Fasching auf dem Viktualienmarkt, den großen Umzug und drei Tage Straßenfasching aufgefangen werden.
Gemessen an der Größe und Bedeutung der Veranstaltungen halten die Organisatoren diesen zusätzlichen Betrag für überschaubar. Schließlich besuchen jährlich Tausende Menschen die verschiedenen Programmpunkte. Gleichzeitig sind die Veranstaltungen grundsätzlich frei zugänglich.
Gerade darin sehen die Vereine einen besonderen gesellschaftlichen Wert: Der öffentliche Fasching richtet sich an alle Münchnerinnen und Münchner sowie an Gäste der Stadt – unabhängig vom Einkommen. Es gibt weder einen Eintrittspreis noch einen verpflichtenden Mindestverzehr. Familien, Senioren, Jugendliche und Besucher mit geringem Einkommen können gleichermaßen teilnehmen.
Traditioneller Tanz der Marktweiber besonders gefährdet
Zu den bekanntesten Höhepunkten des Münchner Faschings gehört der Tanz der Marktweiber auf dem Viktualienmarkt. Die Tradition besteht seit mehr als einem Jahrhundert. Seit rund 40 Jahren findet der Tanz auf einer großen Bühne statt und zieht regelmäßig ein großes Publikum an.
Für viele Münchnerinnen und Münchner bildet diese Veranstaltung den Höhepunkt des Faschingsdienstags. Ein Wegfall oder eine deutliche Einschränkung wäre deshalb weit mehr als nur eine Änderung im Veranstaltungskalender. Betroffen wäre ein Stück lebendiges Münchner Brauchtum.
Auch die zahlreichen Aktiven hinter den Kulissen wären von möglichen Absagen betroffen. Tanzgruppen, Faschingsgesellschaften und ehrenamtliche Helfer bereiten sich teilweise das gesamte Jahr auf die vergleichsweise kurze Faschingssaison vor. Kostüme werden angefertigt, Auftritte einstudiert, Umzüge organisiert und Sicherheitskonzepte erstellt.
Wenn Veranstaltungen schließlich an fehlenden Mitteln für Ordner oder Absperrungen scheitern, sorgt das bei den Beteiligten für erheblichen Frust.
CSU fordert Gespräche und notfalls mehr Geld
Unterstützung erhalten die Faschingsvereine aus Teilen der Münchner Kommunalpolitik. CSU-Stadtrat Sebastian Kriesel hat mehrere Anträge auf den Weg gebracht. Darin soll die Stadt aufgefordert werden, gemeinsam mit den Veranstaltern nach einer tragfähigen Lösung zu suchen.
Sollten Einsparungen oder organisatorische Änderungen nicht ausreichen, müsse nach Ansicht der CSU auch eine Erhöhung des Budgets möglich sein. Ein Wegfall bekannter Faschingsveranstaltungen sei für eine Stadt wie München nur schwer vermittelbar.
Die finanzielle Situation der Landeshauptstadt ist angespannt. In zahlreichen Bereichen muss gespart werden. Dennoch stellt sich die Frage, welchen Stellenwert traditionsreiche und frei zugängliche Veranstaltungen im städtischen Haushalt erhalten sollen.
Aus Sicht der Unterstützer gehört der Fasching ebenso zum Münchner Lebensgefühl wie andere international bekannte Traditionen der Stadt. Deshalb dürfe er nicht allein an vergleichsweise überschaubaren zusätzlichen Sicherheitskosten scheitern.
Vereine allein können die Mehrkosten kaum tragen
Eine vollständige Finanzierung durch die Vereine erscheint schwierig. Viele Beteiligte arbeiten ehrenamtlich. Einnahmen sind bei kostenlosen Straßenveranstaltungen nur begrenzt vorhanden. Eine Umlage der steigenden Kosten auf die Besucher würde außerdem den offenen Charakter des Münchner Faschings verändern.
Eintrittskarten, Zugangsbeschränkungen oder ein verpflichtender Konsum wären kaum mit dem bisherigen Konzept vereinbar. Der öffentliche Fasching lebt gerade davon, dass Menschen spontan vorbeikommen und gemeinsam feiern können.
Auch Sponsoren könnten möglicherweise nur einen Teil der Finanzierung übernehmen. Sicherheitsauflagen sind eine dauerhafte Verpflichtung und dürfen nicht davon abhängen, ob für jedes Veranstaltungsjahr ausreichend private Unterstützer gefunden werden.
Nun ist die Stadt München gefordert
In den kommenden Monaten dürfte sich entscheiden, welche Veranstaltungen in der nächsten Faschingssaison tatsächlich stattfinden können. Stadtverwaltung, Kommunalpolitik und Veranstalter müssen klären, ob das vorhandene Budget ausreicht oder ob doch noch zusätzliche Mittel bereitgestellt werden.
Für die Vereine ist eine rechtzeitige Entscheidung besonders wichtig. Große Veranstaltungen benötigen eine lange Vorbereitungszeit. Sicherheitsdienste müssen gebucht, Genehmigungen eingeholt, Strecken geplant und Verträge geschlossen werden. Bleibt die Finanzierung zu lange ungeklärt, könnten Absagen bereits aus organisatorischen Gründen unvermeidbar werden.
Die Warnungen der Veranstalter sollten deshalb ernst genommen werden. Noch ist der Münchner Fasching nicht abgesagt. Doch die Verantwortlichen machen deutlich, dass die bisherigen finanziellen Spielräume weitgehend ausgeschöpft sind.
Sollte keine Lösung gefunden werden, könnten traditionsreiche und bei der Bevölkerung beliebte Veranstaltungen dem Sparzwang zum Opfer fallen. Für München wäre das nicht nur ein Verlust im Veranstaltungskalender, sondern auch ein schwerer Rückschlag für das ehrenamtliche Engagement und die Pflege des örtlichen Brauchtums.
Bayern Regional News wird die weitere Entwicklung und die Entscheidungen des Münchner Stadtrats aufmerksam verfolgen.