MVG streikt in München
Viele Pendler hatten sich auf einen Freitag eingestellt, an dem in München kaum etwas gehen würde. Nach dem erneuten Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Nahverkehr am Freitag und Samstag schien das Szenario klar: Die Stadt im Ausnahmezustand, überfüllte Straßen, lange Staus, genervte Fahrgäste. Doch ausgerechnet am Freitag zeigte sich ein Bild, das so nicht alle erwartet hatten – im Vergleich zu den vorherigen Streiktagen blieb der Verkehr überraschend beweglich.
Ein wichtiger Grund: Die S-Bahn war vom Ausstand nicht betroffen und wurde damit zur stabilen Säule im morgendlichen Berufsverkehr. Gleichzeitig gelang es der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), ausreichend Personal zu mobilisieren, um zumindest auf mehreren U-Bahn-Achsen einen reduzierten Betrieb aufrechtzuerhalten. Auf den Strecken der U2 und U5 sowie der U3 und U6 fuhren die Züge eingeschränkt, aber immerhin regelmäßig. Am Nachmittag hatten sich die Abläufe dort so weit eingependelt, dass ein Zehn-Minuten-Takt angeboten werden konnte – ein Rhythmus, der zwar nicht dem Normalbetrieb entspricht, aber vielen Fahrgästen eine verlässliche Planbarkeit ermöglichte.
Auch auf der Tram zeigte sich: Ganz still wurde die Stadt nicht. Die Linie 20 verkehrte im Abstand von zehn Minuten, die Linie 25 rollte immerhin alle 20 Minuten durch die Stadt. Im Busverkehr blieb das Angebot zwar deutlich ausgedünnt, doch auch hier stand nicht alles still: Auf vielen Linien konnte ungefähr jede zweite Fahrt stattfinden. Für Fahrgäste bedeutete das: längere Wartezeiten, mehr Geduld – aber eben nicht die totale Lähmung.
Wie sehr sich diese Mischung aus S-Bahn-Regelbetrieb und MVG-Notfahrplan auswirkte, zeigte sich auch rund um die Streikkundgebung der Gewerkschaft. Das Trambahndepot in der Einsteinstraße, vor dem Verdi protestierte, war nach Berichten vor Ort ohne größere Schwierigkeiten erreichbar – mit Bus und S-Bahn gelang die Anreise problemlos. Ein Detail, das in Streiktagen oft entscheidend ist: Wenn selbst zentrale Punkte einer Kundgebung nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, spricht das für eine gewisse Grundfunktion des Systems trotz Ausstand.
Und auch auf den Straßen blieb die Lage überschaubarer als befürchtet. Auf wichtigen Achsen zeigte sich zur morgendlichen Rushhour kein flächendeckender Kollaps. Entlang der Isarparallele etwa floss der Verkehr „einigermaßen“ – kein reibungsloser Durchmarsch, aber auch kein Dauerstillstand. Die gängigen Staukarten im Internet zeichneten insgesamt ein vertrautes Bild: Staus dort, wo sie in München häufig entstehen. Genannt wurden etwa die üblichen Engpässe am Ende der A96 sowie Abschnitte des Mittleren Rings – also jene Bereiche, die selbst ohne Streik regelmäßig zu Nadelöhren werden.
Unterm Strich blieb der Freitag damit ein Streiktag, der zwar spürbar war, aber nicht in dem Ausmaß, das viele im Vorfeld erwartet hatten. Die Stadt funktionierte – reduziert, zäher, mit Lücken im Angebot. Doch statt Stillstand dominierte eine Art Notbetrieb, der den Alltag nicht rettete, ihn aber auch nicht vollständig zum Erliegen brachte.