Münchner MVG testet neue Busse
MVG testet neue Elektro-Midibusse im Münchner Linienverkehr
Kleinere Fahrzeuge für enge Straßen und Linien mit geringerer Nachfrage – Praxistest auf der Buslinie 135
München – Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erprobt im regulären Linienbetrieb zwei neue elektrische Midibusse. Mit den kompakteren Fahrzeugen möchte das Verkehrsunternehmen herausfinden, wie sich das Busangebot künftig noch besser an die tatsächliche Nachfrage sowie an unterschiedliche Straßenverhältnisse anpassen lässt. Der Test findet zunächst auf der Münchner Buslinie 135 statt.
In vielen Teilen Münchens gehören große Gelenk- und Solobusse zum gewohnten Straßenbild. Gerade auf stark genutzten Linien und während des Berufsverkehrs werden Fahrzeuge mit einer möglichst hohen Kapazität benötigt. Doch nicht überall in der Stadt sind die Fahrgastzahlen gleich hoch. Gleichzeitig gibt es Wohngebiete, in denen enge Straßen, parkende Fahrzeuge und schwierige Kurven größere Busse vor besondere Herausforderungen stellen.
Genau für solche Einsatzbereiche könnten sogenannte Midibusse eine sinnvolle Alternative darstellen. Die MVG will deshalb in den kommenden Wochen zwei elektrische Modelle unter realen Bedingungen testen: den Solaris Urbino 9 LE electric und den Wrightbus WB9 9M BUS EU.
Zwei Modelle müssen sich im Münchner Alltag bewähren
Bei einem Praxistest im regulären Fahrgastbetrieb geht es um deutlich mehr als eine reine Probefahrt. Die Fahrzeuge müssen sich im täglichen Verkehr bewähren – unter anderem bei dichtem Stadtverkehr, an Haltestellen, beim Ein- und Aussteigen sowie im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsteilnehmern.
Auch das Fahrverhalten in engen Straßen, der Platz im Innenraum, die Bedienbarkeit für das Fahrpersonal und die Zuverlässigkeit der elektrischen Technik dürften wichtige Erkenntnisse liefern. Hinzu kommen Fragen zur Reichweite, zum Energieverbrauch und zur Alltagstauglichkeit bei einem ganztägigen Einsatz.
Die beiden Testfahrzeuge gehören zu einer Klasse, die in der Regel zwischen acht und zehn Meter lang ist. Damit sind sie kürzer und wendiger als viele herkömmliche Linienbusse. Trotzdem bieten die Midibusse nach Angaben der MVG Platz für etwa 50 bis 60 Fahrgäste.
Sie stellen damit einen Mittelweg dar: kleiner und beweglicher als ein klassischer großer Stadtbus, aber leistungsfähiger als ein Kleinbus.
Einsatz auf der Münchner Buslinie 135
Der eigentliche Fahrgasttest beginnt in der Woche vom 17. bis 20. August 2026. In diesem Zeitraum sollen beide Elektro-Midibusse parallel und ganztägig auf der Linie 135 eingesetzt werden.
Für Fahrgäste bedeutet das, dass sie die neuen Fahrzeuge unmittelbar im normalen Linienbetrieb erleben können. Gleichzeitig erhält die MVG die Möglichkeit, die beiden Modelle unter vergleichbaren Bedingungen zu beobachten.
In der darauffolgenden Woche ist ein weiterer Einsatz vorgesehen. Dann soll der Wrightbus WB9 9M BUS EU jeweils am Vormittag auf der Linie 135 unterwegs sein.
Der Probebetrieb ist somit nicht auf eine kurze Präsentation beschränkt. Die Midibusse sollen über mehrere Tage hinweg zeigen, wie zuverlässig, komfortabel und effizient sie im Münchner Verkehrsalltag eingesetzt werden können.
Kleinere Busse für Wohngebiete mit engen Straßen
Nach Einschätzung der MVG eignen sich Midibusse insbesondere für die Erschließung von Wohngebieten. Dort sind die Straßen teilweise schmal, die Kurven eng und die Platzverhältnisse durch parkende Fahrzeuge zusätzlich eingeschränkt.
Ein kleinerer Bus kann hier Vorteile bieten. Er benötigt weniger Raum, lässt sich möglicherweise leichter durch enge Straßen führen und kann Haltestellen erreichen, die für größere Fahrzeuge schwieriger anzufahren sind.
Gleichzeitig muss das eingesetzte Fahrzeug zur tatsächlichen Nachfrage passen. Auf Strecken, auf denen nur vergleichsweise wenige Menschen unterwegs sind, ist ein großer Bus möglicherweise nicht immer notwendig. Ein Midibus könnte in solchen Fällen einen wirtschaftlicheren und flexibleren Betrieb ermöglichen, ohne dass vollständig auf ein reguläres Linienangebot verzichtet werden muss.
Entscheidend bleibt allerdings, dass die Kapazität auch zu den Hauptverkehrszeiten ausreicht. Gerade morgens, am Nachmittag sowie bei Veranstaltungen oder Störungen kann die Zahl der Fahrgäste kurzfristig deutlich ansteigen.
Nachfrageorientierte Anpassung des Busnetzes
Hinter dem Test steht das Ziel, das Münchner Busnetz stärker an der tatsächlichen Nachfrage auszurichten. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass größere Busse ersetzt werden sollen. Vielmehr geht es darum, für jede Strecke und Tageszeit möglichst passende Fahrzeuge einzusetzen.
Auf stark ausgelasteten Linien werden weiterhin Busse mit hoher Beförderungskapazität benötigt. Auf weniger stark genutzten Verbindungen könnten kleinere Fahrzeuge dagegen Vorteile bieten.
Ein differenzierter Fahrzeugmix könnte der MVG mehr Flexibilität ermöglichen. Denkbar wäre etwa, auf einer Linie abhängig von Tageszeit und Auslastung unterschiedliche Fahrzeuggrößen einzusetzen. Ob und in welchem Umfang dies praktisch umsetzbar ist, müssen allerdings erst die Erfahrungen aus dem Testbetrieb zeigen.
Elektromobilität bleibt ein wichtiger Bestandteil
Beide getesteten Midibusse besitzen einen elektrischen Antrieb. Damit verbindet die MVG die Erprobung einer kleineren Fahrzeugklasse mit dem weiteren Ausbau der Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr.
Elektrobusse fahren lokal ohne Abgase und verursachen im Betrieb in der Regel weniger Motorenlärm als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das kann insbesondere in dicht bebauten Wohngebieten einen Vorteil darstellen.
Für einen zuverlässigen Linienbetrieb müssen elektrische Busse jedoch verschiedene Anforderungen erfüllen. Dazu gehören eine ausreichende Reichweite, ein praxistaugliches Lademanagement und ein möglichst geringer Energieverbrauch. Auch Heizung, Klimatisierung, Außentemperaturen und die Zahl der Fahrgäste können sich auf den Strombedarf auswirken.
Der mehrtägige Einsatz im regulären Linienverkehr soll deshalb wichtige Erkenntnisse liefern, die bei einer späteren Bewertung der Fahrzeuge berücksichtigt werden können.
Fahrgäste erleben den Test unmittelbar
Anders als bei Versuchsfahrten ohne Passagiere werden die beiden Midibusse im normalen Fahrgastbetrieb eingesetzt. Dadurch kann die MVG untersuchen, wie sich die Fahrzeuge unter realistischen Bedingungen verhalten.
Von Bedeutung sind dabei beispielsweise:
der verfügbare Platz im Innenraum,
die Möglichkeiten zum Ein- und Aussteigen,
die Aufenthaltsqualität während der Fahrt,
die Bewegungsflächen für Fahrgäste,
die Pünktlichkeit im Linienbetrieb,
die Wendigkeit in engen Straßen,
der Energieverbrauch und die Reichweite,
sowie die Erfahrungen des Fahrpersonals.
Auch die Wahrnehmung durch die Fahrgäste dürfte eine Rolle spielen. Ein kleineres Fahrzeug darf trotz seiner kompakteren Abmessungen nicht den Eindruck erwecken, regelmäßig überfüllt zu sein. Komfort, Sicherheit und Barrierefreiheit bleiben unabhängig von der Fahrzeuggröße wichtige Voraussetzungen.
Noch keine Entscheidung über einen dauerhaften Einsatz
Der Probebetrieb bedeutet zunächst nicht, dass die MVG die beiden Modelle anschließend automatisch beschaffen oder dauerhaft einsetzen wird. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und die Fahrzeuge miteinander sowie mit den Anforderungen des Münchner Busnetzes zu vergleichen.
Erst nach Abschluss und Auswertung des Tests kann beurteilt werden, ob Elektro-Midibusse für weitere Linien oder bestimmte Wohngebiete infrage kommen. Ebenso muss sich zeigen, ob die Vorteile bei Wendigkeit und Energieverbrauch mögliche Einschränkungen bei der Beförderungskapazität ausgleichen können.
Für die MVG bietet der Versuch jedenfalls die Gelegenheit, unterschiedliche Fahrzeugkonzepte unmittelbar im täglichen Betrieb zu prüfen. Für die Fahrgäste auf der Linie 135 wird der Test zugleich sichtbar und erlebbar: Sie können in den kommenden Wochen selbst erfahren, wie sich die neuen Elektro-Midibusse im Münchner Linienverkehr bewähren.
Bayern Regional News fragt die Fahrgäste
Wie beurteilen Sie den Einsatz kleinerer Elektrobusse in München?
Eine gute Lösung für Wohngebiete und weniger ausgelastete Linien
Sinnvoll, aber nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten
Ich befürchte überfüllte Busse und zu wenig Platz
Entscheidend sind Takt, Zuverlässigkeit und Barrierefreiheit
Ich möchte den Probebetrieb erst abwarten
Sind Sie mit einem der Testfahrzeuge auf der Linie 135 gefahren? Dann berichten Sie Bayern Regional News gerne von Ihren Erfahrungen. Besonders interessant sind Hinweise zu Platzangebot, Komfort, Lautstärke und Pünktlichkeit.