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Drogenszene in Salzburg steigt

Drogenszene im Fokus: Stadt und Land bündeln Kräfte rund um den Salzburger Hauptbahnhof Salzburg, 17. Februar 2026. Im prunkvollen Marmorsaal von Schloss Mirabell wurde am Dienstagvormittag ein Thema verhandelt, das weit weniger glanzvoll ist als die barocke Kulisse: die zunehmende Ausbreitung der Drogenszene rund um den Salzburg Hauptbahnhof – und insbesondere deren verstärkte Ausrichtung auf minderjährige Konsument:innen. Eingeladen hatte Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger. Der Anlass: eine Entwicklung, die in den vergangenen Monaten bei Behörden und Sozialorganisationen gleichermaßen Besorgnis ausgelöst hat. Neben einem wachsenden Drogenangebot im öffentlichen Raum werden vermehrt Fälle von Missbrauch und gezielter Ansprache junger Menschen gemeldet. „Alarmierende Signale“ aus Sozialarbeit und Polizei „Wir dürfen nicht zusehen, wie sich rund um den Bahnhof Strukturen verfestigen, die Jugendliche gezielt in Abhängigkeit treiben“, betonte Auinger im Anschluss an das Treffen. Der Hauptbahnhof sei als Verkehrsdrehscheibe naturgemäß ein sensibler Ort – täglich frequentiert von Pendler:innen, Reisenden, Schüler:innen und Tourist:innen. Gerade diese Durchmischung mache ihn anfällig für illegale Aktivitäten. Die Warnsignale kamen laut Stadt aus unterschiedlichen Richtungen: Streetworker:innen berichten von einer veränderten Dynamik in der Szene, Polizei und Ordnungsamt registrieren neue Muster im Straßenhandel. Auch Hinweise auf sexuelle Ausbeutung im Zusammenhang mit Suchtmittelabhängigkeit hätten die Verantwortlichen aufgeschreckt. Am Runden Tisch nahmen neben Auinger auch Soziallandesrat Wolfgang Fürweger, Stadträtin Andrea Brandner sowie Landespolizeidirektor Bernhard Rausch teil. Ergänzt wurde die Runde durch Expert:innen aus Sozialarbeit, Kinder- und Jugendhilfe, Ordnungsamt, Polizei und Vertreter:innen der ÖBB. Verstärktes Streetwork als zentrale Maßnahme Kern des vereinbarten Maßnahmenpakets ist eine deutliche Intensivierung der Streetwork-Aktivitäten im Bahnhofsviertel. Stadt und Land wollen ihre Ressourcen bündeln und zusätzliche Präsenzzeiten ermöglichen – insbesondere zu jenen Tages- und Abendstunden, in denen sich Jugendliche verstärkt im öffentlichen Raum aufhalten. Streetworker:innen sollen noch niederschwelliger auf junge Menschen zugehen, frühzeitig intervenieren und bei Bedarf rasch an Beratungs- und Betreuungsstellen vermitteln. Ziel sei es, gefährdete Minderjährige aus dem Einflussbereich der Szene zu lösen, bevor sich problematische Strukturen verfestigen. Landesrat Fürweger sprach von einem „klaren Schulterschluss zwischen Prävention, Sozialarbeit und Sicherheit“. Repressive Maßnahmen allein seien nicht ausreichend; ebenso wichtig sei eine engmaschige Betreuung und die Stärkung von Schutzmechanismen. Mehr Verantwortung für Hausverwaltungen und Bahnhofsbetreiber Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der stärkeren Einbindung der Immobilien- und Hausverwaltungen im Umfeld des Bahnhofs. Leerstehende oder schlecht kontrollierte Objekte gelten als Rückzugsorte der Szene. Hier sollen Eigentümer:innen künftig stärker in die Pflicht genommen werden – etwa durch konsequentere Zugangskontrollen oder bauliche Anpassungen. Auch die Sicherheitskräfte der ÖBB werden laut Vereinbarung gezielt sensibilisiert. Sie sollen Auffälligkeiten rascher melden und eng mit der Polizei kooperieren. Landespolizeidirektor Rausch kündigte an, die Präsenz uniformierter Kräfte weiterhin lageangepasst zu gestalten und Schwerpunktaktionen fortzuführen. Neue Koordinierungsstelle für dauerhaften Informationsfluss Um Informationslücken zu schließen, soll bei der Kinder- und Jugendhilfe des Landes eine eigene Koordinierungsstelle eingerichtet werden. Diese soll als Drehscheibe zwischen Sozialarbeit, Schulen, Polizei und Behörden fungieren. Der kontinuierliche Austausch – etwa über gefährdete Jugendliche oder neue Entwicklungen im Straßenhandel – soll dadurch strukturiert und beschleunigt werden. Stadträtin Brandner unterstrich, dass insbesondere der Schutz Minderjähriger oberste Priorität habe. „Wir müssen schneller erkennen, wenn junge Menschen in riskante Milieus abrutschen – und wir müssen entschlossen handeln.“ Gemeinsame Strategie gegen Verfestigung der Szene Das Treffen im Schloss Mirabell endete mit einem klaren Signal: Stadt und Land wollen geschlossen auftreten. Die Drogenszene dürfe sich im Bahnhofsbereich nicht weiter etablieren – schon gar nicht auf Kosten von Kindern und Jugendlichen. Die kommenden Wochen sollen zeigen, wie rasch die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden können. Ein weiterer Evaluierungstermin wurde bereits in Aussicht gestellt. Klar ist: Die Verantwortlichen sehen dringenden Handlungsbedarf – und setzen auf eine Kombination aus Prävention, sozialer Intervention und sicherheitspolitischer Präsenz, um der Entwicklung entgegenzuwirken.

Datum: 27.02.2026 Quelle: Bayregnews