Bargeldloses Bezahlen beim Rufbus nicht für ältere Menschen gut
Bayern Regional News
Rufbus im Berchtesgadener Land
VdK kritisiert bargeldloses Bezahlen – wie zugänglich ist das WatzMobil?
Das WatzMobil soll die Mobilität im Berchtesgadener Land verbessern. Doch beim Bezahlen sieht der Ainringer VdK-Ortsvorsitzende Ludwig Wetzelsberger eine Hürde: Nicht alle Menschen könnten das ausschließlich bargeldlose System nutzen. Seine Kritik betrifft damit eine grundlegende Frage: Ist ein öffentliches Verkehrsangebot auch für diejenigen ausreichend zugänglich, die mit digitalen oder kartengestützten Zahlungsverfahren Schwierigkeiten haben? Die Recherche zeigt zugleich: Ein Smartphone ist für die Buchung nicht zwingend erforderlich. Eine Barzahlung im Fahrzeug ist nach den veröffentlichten Informationen jedoch nicht vorgesehen.
Berchtesgadener Land/Ainring. Einen Arzttermin wahrnehmen, einkaufen oder Freunde besuchen: Wer kein eigenes Auto nutzen kann, braucht verlässliche Möglichkeiten, seine Alltagswege zu bewältigen. Gerade außerhalb dichter Liniennetze können bestellbare Kleinbusse eine wichtige Ergänzung sein.
Im Berchtesgadener Land übernimmt diese Aufgabe das WatzMobil. Doch während der Landkreis das Angebot als Ausbau des öffentlichen Verkehrs beschreibt, richtet sich Kritik gegen eine seiner Zugangsvoraussetzungen: die bargeldlose Bezahlung.
Ludwig Wetzelsberger, VdK-Ortsvorsitzender in Ainring sowie Senioren- und Behindertenbeauftragter, hält das Verfahren nicht für alle Menschen für praktikabel. Nach seiner Darstellung teilt auch die VdK-Kreisführung unter Josef Jerger diese Einschätzung. Zudem äußert Wetzelsberger den Eindruck, mit seinen Bedenken vom Landratsamt nicht ausreichend ernst genommen worden zu sein. Eine gesonderte aktuelle Stellungnahme des Landratsamts zu diesem persönlichen Vorwurf liegt für diesen Bericht nicht vor.
Kritik betrifft die Nutzbarkeit – ein technischer Ausfall ist damit nicht belegt
Die Aussage, das Bezahlsystem funktioniere nicht, muss genau eingeordnet werden. Aus Wetzelsbergers Begründung geht hervor, dass er insbesondere Menschen anspricht, für die das Zahlungsverfahren nicht umsetzbar sei.
Das ist eine Kritik an der Alltagstauglichkeit und Zugänglichkeit. Ein flächendeckender technischer Ausfall der Bezahlung ist dadurch nicht nachgewiesen.
Diese Unterscheidung ist wesentlich: Ein Zahlungsvorgang kann technisch erfolgreich abgewickelt werden und für einzelne Menschen trotzdem eine unüberwindbare Hürde darstellen. Umgekehrt bedeutet die Schwierigkeit einzelner Nutzer nicht automatisch, dass das gesamte Verkehrsangebot versagt.
Für die weitere Diskussion kommt es deshalb darauf an, die konkreten Probleme zu benennen. Geht es um fehlende Zahlungsmittel, Unsicherheit bei der Bedienung, Schwierigkeiten mit der Registrierung oder um tatsächlich abgelehnte Zahlungen? Je nach Ursache wären unterschiedliche Lösungen erforderlich.
Das WatzMobil lässt sich auch ohne Smartphone bestellen
Die veröffentlichten Informationen zeigen: Eine Fahrt muss nicht zwingend über eine App gebucht werden.
Das Landratsamt nennt drei Bestellmöglichkeiten: die WatzMobil-App, eine Buchung am Computer und die telefonische Anmeldung. Die Telefonzentrale ist täglich von 8 bis 17 Uhr unter 08652 65650-123 erreichbar. Buchungen sind bis zu sieben Tage im Voraus möglich. Bezahlt wird über die App oder bargeldlos im Fahrzeug.
Damit besteht ausdrücklich ein Bestellweg für Menschen ohne Smartphone. Die pauschale Aussage, das WatzMobil könne ausschließlich von App-Nutzern verwendet werden, wäre daher falsch.
Die telefonische Buchung beantwortet allerdings noch nicht die Frage nach einer individuell nutzbaren Zahlungsart. Wer seine Fahrt telefonisch bestellt, benötigt weiterhin eine Möglichkeit, den Fahrpreis entsprechend den vorgesehenen Verfahren zu begleichen.
Bestellung und Bezahlung sind zwei getrennte Schritte. Eine zugängliche Buchung allein beseitigt deshalb nicht jede Nutzungshürde.
Welche Zahlungswege veröffentlicht sind
Die Betreiberseite nennt für die Zahlung in der App PayPal, Kreditkarte und Lastschrift. Zusätzlich wird die bargeldlose Bezahlung im Fahrzeug angeboten. Bargeld wird dort nicht als Zahlungsoption aufgeführt.
Für viele Fahrgäste kann das bequem sein. Wer bereits entsprechende Zahlungsmittel verwendet, muss kein passendes Bargeld bereithalten.
Für andere kann jedoch gerade dieser Schritt schwierig werden. Denkbar sind beispielsweise Menschen ohne geeignetes Zahlungsmittel oder Personen, die eine Zahlung nicht ohne Unterstützung durchführen können. Das sind mögliche Nutzungssituationen; wie viele Fahrgäste im Berchtesgadener Land konkret betroffen sind, lässt sich aus den bislang vorliegenden Informationen nicht beziffern.
Auch sollte nicht pauschal angenommen werden, ältere Menschen könnten nicht mit Karte bezahlen. Ebenso wenig darf vorausgesetzt werden, dass alle Fahrgäste über dieselben technischen Möglichkeiten und Fähigkeiten verfügen.
Die entscheidende Frage lautet: Welche verlässliche Lösung gibt es für diejenigen, die mit den regulären Zahlungswegen nicht zurechtkommen?
Ainring steht vor einer Umstellung
Für Ainring hat die Diskussion eine besondere Bedeutung. Nach den aktuellen Informationen des Landratsamts besteht dort noch ein eigenes Rufbusangebot. Dieses soll zum 1. Januar 2027 eingestellt und durch das landkreisweite WatzMobil ersetzt werden.
Der bisherige Ainringer Rufbus wird telefonisch bestellt. Er bedient Fahrten innerhalb der Gemeinde sowie bestimmte Verbindungen zu Haltestellen in den benachbarten Orten Freilassing und Teisendorf. Die Aufnahme Ainrings in das WatzMobil-System ist damit eine bevorstehende Veränderung und noch kein bereits vollständig vollzogener Wechsel.
Wetzelsbergers Bedenken bestehen zudem nicht erst seit der aktuellen Veröffentlichung. Bereits 2025 wurde über seine Kritik am vorgesehenen bargeldlosen Betrieb und über befürchtete Verschlechterungen für Ainringer Einwohner berichtet.
Bis zum geplanten Wechsel bleibt somit Gelegenheit, die Abläufe verständlich zu erklären und Schwierigkeiten betroffener Nutzer konkret zu prüfen.
Ein ergänzendes Verkehrsangebot mit wachsender Bedeutung
Das WatzMobil wurde im Süden des Landkreises schrittweise aufgebaut. Am 16. März 2026 startete die Ausweitung auf große Teile des Berchtesgadener Landes. Teisendorf folgte zum 1. Juli; Ainring soll Anfang 2027 hinzukommen.
Das Konzept sieht drei Bediengebiete vor: Nord, Mitte und Süd. Fahrten werden bedarfsabhängig organisiert. Auch eingebundene Taxiunternehmen sollen als sogenannte ÖPNV-Taxis zur Beförderung beitragen.
Das Angebot ergänzt Bus und Bahn. Nach den veröffentlichten Vorgaben werden parallele Rufbusfahrten nicht angeboten, wenn innerhalb von jeweils 30 Minuten vor oder nach der gewünschten Fahrt eine entsprechende Linienbus- oder Zugverbindung besteht.
Damit ist das WatzMobil kein frei verfügbares Taxi für jede beliebige Verbindung. Ob eine Fahrt angeboten wird, hängt auch vom bestehenden öffentlichen Verkehr ab.
Für Fahrgäste müssen diese Regeln verständlich sein. Wer erstmals bestellt, sollte nachvollziehen können, weshalb eine Verbindung angeboten oder abgelehnt wird und welche Alternative gegebenenfalls besteht.
Sonderregelung für schwerbehinderte Fahrgäste
Bei der Diskussion über Menschen mit Behinderung ist eine wichtige Tarifregelung zu berücksichtigen: Nach den veröffentlichten Beförderungsbedingungen können Inhaber eines Schwerbehindertenausweises mit Wertmarke das WatzMobil kostenfrei nutzen. Eine Begleitperson wird ebenfalls unentgeltlich befördert, soweit dies im Ausweis entsprechend vermerkt ist.
Die Behauptung, jeder schwerbehinderte Fahrgast müsse zwingend bargeldlos bezahlen, wäre deshalb unzutreffend.
Gleichzeitig erfasst diese Regelung nicht automatisch alle Menschen mit Einschränkungen. Nicht jede Person, die Unterstützung benötigt, erfüllt die genannten Voraussetzungen.
Auch eine kostenlose Beförderung beantwortet nicht sämtliche Fragen der Zugänglichkeit. Buchung, Erreichen des Haltepunkts und die individuellen Beförderungsmöglichkeiten bleiben gesondert zu betrachten.
Was eine mögliche Guthabenlösung leisten müsste
Als denkbare Ergänzung kommen grundsätzlich Guthabenmodelle infrage. Dabei wäre allerdings genau zu klären, wie eine solche Karte erworben, aufgeladen und verwendet werden könnte.
Eine handelsübliche Prepaid-Zahlungskarte ist nicht automatisch mit einer einfach zugänglichen Guthabenkarte des Verkehrsbetreibers gleichzusetzen. Entscheidend wären mögliche Gebühren, notwendige Registrierungsschritte und die Frage, ob eine Aufladung mit Bargeld vor Ort möglich ist.
Dass ein solches Modell im öffentlichen Verkehr grundsätzlich umgesetzt werden kann, zeigt das Beispiel moBiel in Bielefeld. Dort gibt es eine nicht personalisierte Guthabenkarte, die an Verkaufsstellen auch mit Bargeld aufgeladen werden kann und anschließend als Zahlungsmittel im Bus dient. Das ist ein Vergleichsbeispiel und kein Nachweis, dass beim WatzMobil bereits eine entsprechende Lösung besteht.
Für das Berchtesgadener Land müsste geprüft werden, welche zusätzliche Lösung tatsächlich zum vorhandenen System passt und den betroffenen Menschen hilft.
Beratung sollte praktische Probleme sichtbar machen
Eine verständliche Anleitung ist sinnvoll. Sie reicht jedoch nicht in jedem Fall aus.
Wer ein bestimmtes Zahlungsmittel nicht besitzt, benötigt eine andere Unterstützung als jemand, der lediglich unsicher bei der Bedienung ist. Deshalb wäre es hilfreich, konkrete Nutzungssituationen gemeinsam mit Betroffenen durchzugehen.
Dabei könnten Seniorenvertretungen, Behindertenbeauftragte und Sozialverbände ihre Erfahrungen einbringen. Zu prüfen wäre beispielsweise, ob eine Person eine Fahrt selbstständig telefonisch buchen und anschließend ohne Smartphone bezahlen kann.
Ebenso wichtig wäre ein klarer Ablauf für den Fall, dass eine vorgesehene Zahlung nicht gelingt. Fahrgäste sollten vor Fahrtantritt wissen, an wen sie sich wenden können und welche Möglichkeiten bestehen.
Aus den ausgewerteten Informationen lässt sich nicht abschließend erkennen, welche besonderen Unterstützungsverfahren hierfür bereits eingerichtet sind. Hier besteht weiterer Klärungsbedarf.
Bayern Regional News zur Alltagstauglichkeit des Angebots
Aus Sicht von Bayern Regional News sollte die Kritik des VdK Anlass sein, die tatsächliche Nutzbarkeit genau zu prüfen.
Das WatzMobil kann zusätzliche Verbindungen schaffen und Menschen ohne eigenes Auto unterstützen. Ob es diese Aufgabe für möglichst viele erfüllt, entscheidet sich jedoch auch an den einzelnen Schritten zwischen Fahrtwunsch und Ankunft.
Die vorhandene telefonische Buchung ist dabei ein wichtiger Zugang. Für Menschen, die Schwierigkeiten mit bargeldlosen Zahlungen haben, braucht es zusätzlich eine nachvollziehbare Antwort.
Dabei sollte die Diskussion sachlich bleiben. Weder ist ein generelles technisches Scheitern des Systems belegt, noch lässt sich aus angebotenen Zahlungswegen ableiten, dass jeder Mensch sie problemlos nutzen kann.
Besonders vor der Umstellung in Ainring wäre es sinnvoll, offene Fragen gemeinsam mit den Betroffenen zu klären. Maßstab sollte sein, ob Menschen ihre notwendigen Wege möglichst selbstständig und zuverlässig bewältigen können.
Bayern Regional News bleibt dran
Bayern Regional News wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Fahrgäste, mögliche Verbesserungen bei Buchung und Bezahlung sowie die geplante Einbindung Ainrings zum Jahresbeginn 2027.
Wir werden darüber berichten, welche Antworten die Verantwortlichen auf die Kritik geben und ob zusätzliche Unterstützung oder alternative Zahlungswege vorgesehen werden. Sobald neue, bestätigte Informationen vorliegen, informieren wir unsere Leserinnen und Leser.
Bayern Regional News fragt nach
Wie finden Sie das bargeldlose Bezahlsystem beim WatzMobil? Ist es für Sie eine praktische Lösung oder eine zusätzliche Hürde? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, und was sollte verbessert werden?
Sagen Sie uns Ihre Meinung! Bayern Regional News bleibt an der Geschichte dran und wird über die weitere Entwicklung berichten.